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"Freiheit ist das höchste Gut"

Seine letzte UN-Mission führte ihn während der Corona-Pandemie nach Somalia
"Freiheit ist das höchste Gut"
Norbert Wienold war 30 Jahre Polizeibeamter der Kreispolizeibehörde Paderborn. Insgesamt sechs Mal hat er währenddessen für verschiedene EU- und UN-Missionen ein Jahr im Ausland verbracht.

Norbert Wienold war 30 Jahre Polizeibeamter der Kreispolizeibehörde Paderborn. Insgesamt sechs Mal hat er währenddessen für verschiedene EU- und UN-Missionen ein Jahr im Ausland verbracht. Und ging aus der letzten Mission, die ihn nach Somalia führte, in den wohlverdienten Ruhestand. 

Wienold brach 2001 zu seinem ersten Kosovo-Einsatz auf. „Das Interesse wurde seinerzeit durch einen Kollegen geschürt, der sich auf eben einen solchen Einsatz vorbereitete“, erzählt er. „Und dann musste ich natürlich durch das ganze Verfahren: Englischtest, Basisausbildung, Vorbereitungslehrgang Gesundheitscheck, eben das ganze übliche Programm.“

Im Kosovo leitete Norbert Wienold die dortige Polizeistation und beriet beim Aufbau der lokalen Polizei, hinsichtlich Strukturverbesserungen und der Übernahme westlicher Standards. Auch in der zweiten EU-Mission von 2004-2005 in Bosnien war er Leiter der lokalen Missionsstation im Nordosten des Landes und beriet die lokale Polizeiführung. Aber: „Jede Mission ist anders, es gibt keine Routine. Die Aufgaben können sich im Verlauf des Aufenthaltes ändern. Auch Menschen und Kulturen sind jedes Mal anders“, erklärt Wienold.

Diese Erfahrung machte er auch in Afghanistan, hier war er in den Jahren 2010 und 2012 im Einsatz. „Generell war es schwierig, sich die Akzeptanz der Einheimischen zu erarbeiten. Wir standen hier unter recht kritischer Beobachtung, vor allem die Kolleginnen.“ Auch die dortige Ausbildung der Hundeführer war eine spezielle Herausforderung: „Für uns sind Hunde im täglichen Dienst vollständige Partner, das war dort sehr schwierig zu vermitteln.“

Hinzu kommt die omnipräsente Bedrohungslage. Einen Bunkeraufenthalt von 12 Stunden Dauer während eines Raketen-Alarms in Kabul wird Norbert Wienold nie vergessen. „Am meisten vermisst habe ich die Freiheit, zu tun und zu lassen, was ich möchte, mich überall uneingeschränkt und spontan hinzubewegen“, betont er. Von 2017 bis 2018 war er für die UN im Sudan, um die durch Milizen bedrohte Zivilbevölkerung zu schützen. „In den Team Sites außerhalb der Hauptquartiere gab es quasi nur die Wohncontainer. Nur in Begleitung des Militärs durfte man sich fortbewegen.“ Bereits in Afghanistan und später auch in Somalia hatte er sich daran gewöhnen müssen, dass Ausfahrten nur auf Antrag und in Begleitung, immer abhängig von der täglichen Bedrohungslage, möglich sind. Die Corona-Pandemie schränkte dann Wienolds letzten Auslandseinsatz noch weiter ein: Die UN Somalia-Mission von 2019-2021 betreute er zwischendurch acht Monate lang aus dem Homeoffice, bevor er wieder vor Ort arbeiten konnte.

Warum dann immer wieder, in regelmäßigen Abständen Auslandsmissionen? Sich bewusst der Gefahr aussetzen, sich immer wieder auf andere Länder, Kulturen und Nationen einstellen, jedes Mal Abschied nehmen, in Deutschland wieder ankommen?

Norbert Wienold fasst zusammen: „Es heißt ja nicht nur auf dem Papier „Mission“. Mein Beruf als Polizist bedeutet für mich die persönliche Mission, in anderen Ländern entsprechendes Wissen zu vermitteln, Aufbauarbeit zu leisten und zu unterstützen. Die internationale Zusammenarbeit ist außergewöhnlich und faszinierend, Kulturen, Sitten und Gebräuche hätte ich so intensiv sonst nicht kennengelernt. Ich konnte tiefer in Gesellschaftsschichten eintauchen, als es beispielsweise im Urlaub möglich ist. Glücklicherweise bin ich immer unbeschadet aus dem Ausland zurückgekehrt, dafür bin ich sehr dankbar.“

Bleibt die spannende Frage, welche private Mission sich Norbert Wienold für seinen Ruhestand vorgenommen hat? „Konkret steht noch Nichts fest, es wird mich sicher auch weiter ins Ausland ziehen, aber es ist definitiv kein Strandurlaub auf Mallorca geplant“, schmunzelt er.

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