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„Dreist“ - Theater im Bus am Couragetag

"Dreist" - Theater im Bus
„Dreist“ - Theater im Bus am Couragetag
Premiere des Busprojekts „Dreist“ am Couragetag im Kreis Paderborn an der Mastbruchschule
v.l. Marina Brüntrup vom Jugendamt der Stadt Paderborn, Kriminalhauptkommissar Jürgen Neuhoff von der Polizei Paderborn, Landrat Manfred Müller sowie Marc Benner, Johanna Bethge und Markus Brockmeyer von der Theaterpädagogischen Werkstatt und Sabine Wegener, Schulleiterin der Mastbruchschule

„Ey, Alter, du stinkst.“ - Pöbeleien im Bus auf dem Weg zur Schule oder nachmittags nach Hause haben viele Kinder und Jugendliche oder andere Nutzer von öffentlichen Verkehrsmittel schon erlebt. Die Opfer werden meistens allein gelassen. Sie leiden unter den Einschüchterungen und schweigen. Um hier zu helfen ist Zivilcourage gefragt. Im Busprojekt „Dreist“ der Theaterpädagogischen Werkstatt Osnabrück wird der Handlungsspielraum zur Deeskalation in bedrohlichen Situationen mit Schülerinnen und Schülern erarbeitet und ausprobiert. Der Präventionsrat gegen Gewalt im Kreis Paderborn ermöglichte jetzt rund 120 Schülerinnen und Schülern der Mastbruchschule in Paderborn und der Gesamtschule in Delbrück die Teilnahme. Dazu bot sich der Couragetag am Montag, 03. Dezember 2018, an. Weitere Termine sind in Planung.

Mit einem kostenlos zur Verfügung gestellten Bus des Paderborner Busunternehmens Padersprinter startete die Theatertour morgens in Paderborn. Landrat Manfred Müller begrüßte den Theaterpädagogen Markus Brockmeier und seine Kollegen Johanna Bethge und Marc Benner zur Premiere an der Mastbruchschule. Mit über 30 Schülerinnen und Schülern stieg der Landrat in den Bus und fuhr mit. Das junge Publikum wusste nicht, was genau auf es zu kommt und so wurden die Jugendlichen Zeugen einer „gespielten“ Provokation mit Beleidigungen und Tätlichkeiten zweier „Mitfahrender“. Nachdem die Darsteller die Szene beendet hatten, spornte Markus Brockmeier die Jugendlichen an, in einer Wiederholung der Szene selbst einzugreifen. Und damit hatte er die jungen Leute gelockt. In den folgenden Sequenzen arbeiteten die Jugendlichen gemeinsam an Möglichkeiten der Deeskalation ohne sich selbst zu gefährden. Brockmeier klärt auf: „Andere Anwesende konkret ansprechen und zusammen handeln ist ein Mittel, um gemeinsam und ohne Selbstgefährdung auf Gewalt zu reagieren.“ Auch diese Botschaft setzten die Passagiere sofort um. So wurde auf der Padersprinter-Fahrer Julius Riediger eingebunden, um die pöbelnde Passagierin zur Räson zu bringen. Riediger ist in Konfliktschlichtungen im Fahrbetrieb geschult und klärt die Situation. Auch Kriminalhauptkommissar Jürgen Neuhoff musste als Erwachsener ran. Brockmeier ermuntere sein Publikum, gezielt auf Erwachsene zuzugehen, um sie in die Problemlösung einzubeziehen.
In weiteren Szenen wird das gemeinsame Eingreifen geübt. Durch Rückmeldungen des „Opfers“, das sein Empfinden emotional reflektiert, wird der Sinn von Zivilcourage deutlich.

Landrat Müller ist überzeugt vom pädagogischen Beitrag des „Dreist“-Projekts. Müller: „Wer sich Gedanken um Strategien zur Konfliktlösung macht, ist den ersten Schritt zur Zivilcourage schon gegangen. Das Theater im Bus schafft ein Bewusstsein für mehr Solidarität und Hilfsbereitschaft.“ Die Botschaften des Präventionsrats gegen Gewalt finden sich auch in der Arbeit der Theaterpädagogen wieder, so Müller weiter. Sie lauten:

• Ich helfe, ohne mich selbst zu gefährden

• Ich fordere andere zur Mithilfe auf

• Ich rufe die Polizei unter 110

• Ich kümmere mich um das Opfer

Die Bustour endete nach insgesamt vier jeweils 45minütigen interaktiven Aufführungen in Delbrück. Abends stellten Markus Brockmeier und Kollege*in das Projekt im Rahmen der Ehrung couragierter Menschen im Paderborner Kreishaus vor. Auch hier war das Publikum gefordert und griff in gespielte „Pöbelszenen“ ein.

ZE!G MUT - schau hin & tu was.

Infos zu „Dreist“: Theaterpädagogische Werkstatt